Armenische Gemeinde zu Berlin e. V. - gegr. 1923
 
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Über uns

Die Armenische Gemeinde zu Berlin wurde 1923 als erste armenische Gemeindeorganisation in Deutschland unter dem Namen Verein der Armenischen Kolonie gegründet.


1940 wurde sie in Armenische Kolonie zu Berlin e. V. umbenannt und 1980 mit dem Zusatznamen Armenisch Apostolische Kirchengemeinde Berlin versehen. Seit 1998 trägt sie den Namen Armenische Gemeinde zu Berlin.

 

Zunächst waren es Überlebende des Genozids an den Armeniern von 1915/16 in der Osmanischen Türkei, die in Deutschland Zuflucht suchten und sich hauptsächlich in Berlin niederließen. Wenn auch die Zahl der Einwanderer im Vergleich zu Frankreich eher gering war, entfaltete sich spätestens mit den ersten »Gastarbeiterzuwanderungen« aus der Türkei während der 1960er Jahre ein reges Gemeindeleben.

 

Nach der islamischen Revolution im Iran und dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Libanon suchten Armenier aus diesen Ländern in Deutschland Asyl, aber auch aus den sowjetischen Republiken fanden Armenier nicht erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Berlin eine neue Heimat: Die Massaker an der armenischen Bevölkerung in Sumgait und Baku (Aserbeidschan) oder der Konflikt um Arzach (Berg-Karabach) hatten bereits Ende der 1980er Jahre auch Familien aus dem sogenannten ost-armenischen Kulturkreis nach Deutschland geführt. Die Blockade der Republik Armenien durch die Türkei und Aserbeidschan löste in den 1990er Jahren die jüngste Welle der Auswanderung aus.

 

Das heutige Bild der armenischen Gemeinde in Berlin – wie in der Bundesrepublik insgesamt – wird folglich bestimmt von Einwanderern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und mit unterschiedlichem Hintergrund: ost- und westarmenische Sprache, Verfolgung, Flucht und Arbeitsmigration.

 

Die Vielfältigkeit der Sprache und Kulturen, die sich in den Gemeinden trifft, wird in Deutschland bewusst aufrechterhalten: die Armenier verstehen sich als traditionelle Diaspora-Gemeinschaft, zu deren Geschichte Zerstreuung und Wanderung untrennbar dazugehören.

 

So zeichnet sich eine schnelle soziale und kulturelle Integration ab: Während die Gemeinden in den 1980er Jahren noch vorwiegend von Arbeitnehmern gebildet waren, ist der Anteil der Selbständigen, Akademiker und Künstler seither beträchtlich gestiegen.

 

Für die Armenier in Berlin bildet Deutschland eine gewählte Heimat: ein Zurück gibt es nicht. Die deutsche Sprache und Kultur, gesellschaftliche Normen und Werte werden selbstverständlich akzeptiert, die deutsche Staatsangehörigkeit wird angestrebt und ist bereits von vielen erworben.

 

Die Armenische Gemeinde zu Berlin verfolgt und koordiniert für die in und um Berlin lebenden Armenier Aufgaben in kulturellen und sozialen Bereichen des Gemeindelebens sowie Aufgaben im Bereich der Erziehung und Bildung. Die Gemeinde sichert die Bewahrung der wichtigsten Identitätskonstanten: der armenischen Sprache, der mündlich überlieferten Geschichte des Jahrhunderte langen Lebens unter Fremdherrschaft und Verfolgung. Sie ermöglicht ferner eine Begegnung mit Literatur, Musik und Kunst.

 

Unser Gemeindehaus, das Hay Dun genannt wird, ist daher zugleich ein Kommunikationszentrum. Es ist ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs, aber auch ein Ort der Wahrung und Vermittlung armenischer Traditionen. So wird in der Samstagsschule armenische Sprache und Geschichte unterrichtet. Unterschiedliche Ausschüsse und Arbeitsgruppen nehmen soziale, kulturelle, erzieherische und kommunale Aufgaben wahr.

 

Die Wahrung und Förderung des Wissens um die armenische Identität wird als die wichtigste Integrationshilfe in die deutsche Gesellschaft betrachtet, denn sie ermöglicht Sicherheit und Offenheit ebenso wie Diskussion und Konfrontation.

 

Zu den Aufgaben der sich selbst tragenden Gemeinde gehört daher auch die Organisation von Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an wichtige historische Ereignisse in der armenischen Geschichte, die Ausrichtung der traditionellen religiösen Feierlichkeiten (so Weihnachten oder Ostern), die Veranstaltung von Vorträgen, literarischen oder musikalischen Abenden, Kolloquien, Ausstellungen oder Bildungsfahrten.

 

Die Arbeit der Armenischen Gemeinde zu Berlin ist in den engen Kontakt zu anderen Gemeinden und Einrichtungen der in Deutschland lebenden Armenier eingebunden. Sie ist Mitglied in der Dachorganisation, dem Zentralrat der Armenier in Deutschland, und fördert die Beziehungen sowie den kulturellen Austausch mit der Republik Armenien.